Yana Kyrychenko

Er holt mich schon nicht ein

Was geschieht mit einem, wenn sich die eigenen vier Wände von einem Tag auf den nächsten in Luft auflösen und etwas Selbstverständliches seine Selbstverständlichkeit verliert. Die Abschlussarbeit von Yana Kyrychenko unternimmt den Versuch, mit dem vorherrschenden Bild von Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, aufzuräumen, indem sie eine Transparenz ihrer eigenen Situation, der eigenen verdeckten Wohnungslosigkeit, schafft. Wohnungslosigkeit ist ein Randphänomen, dem sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft kaum Beachtung geschenkt wird. Mit Wohnungslosen werden überwiegend ältere, ungepflegte, von Rauschgift abhängige Menschen in Verbindung gebracht. Was viele nicht wissen: das ist nur einer kleiner Teil. Der größte Teil versucht unsichtbar zu bleiben und wird in den meisten Fällen auch nicht erkannt. Besonders Frauen machen sich unsichtbar, schämen sich ihrer Situation und lehnen angebotene professionelle Hilfen ab. Yana adressiert mit ihrer Arbeit gesellschaftliche Probleme wie Wohnungsnot und soziale Ungleichheit. Aus ihrer Reise ist eine Fotoreihe aus 28 Werken entstanden. Sie inszeniert gefundene Gegenstände, die sie aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt und neu in Szene setzt. So entstehen neue, mysteriöse, zweidimensionale Räume. Dadurch lässt sie den Betrachtenden Spielraum für eigene Empfindungen und Interpretationen. Ein essenzieller Teil dieser Arbeit ist die menschliche Zerbrechlichkeit und ihre Wunden, welche durch hinzukommende Selbstportraits und Naturaufnahmen transportiert werden.


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Ursprünglich hatte ich die Idee mich mit der Pflanze Flachs auseinanderzusetzen und ein unpersönliches Thema zu behandeln. Doch als die Pandemie losging bin ich relativ schnell in meine Situation reingerutscht und mir wurde klar, dass die Wohnungslosigkeit ab diesem Zeitpunkt sehr viel Raum einnahm und kein Platz für andere Themen ließ. So machte ich meine Situation zum Thema und verarbeitete mit Hilfe der Kamera die Umstände.

Was wäre beinahe schief gegangen?

Für meine Abschlussausstellung habe ich die Fotoreihe auf Stoff drucken lassen. Leider war ich so im Stress und habe die Druckerei nicht genau unter die Lupe genommen. So kamen meine Drucke viel zu spät aus England angeflogen und die Ausstellung musste verschoben werden. Da die Präsentation im öffentlichen Raum stattfand, konnte ich sie problemlos verschieben, auch wenn ein paar wichtige Freunde, die mich in der Entstehungszeit unterstützt haben deshalb nicht kommen konnten.

Weißt Du schon, wie es nach dem Studium weitergeht?

Seit Jahren verspreche ich einer Freundin mein Führerschein zu machen, damit ich auch mal fahren kann. Jetzt hatte ich die Idee eine Tour durch Deutschland zu machen, um meine Arbeit an unterschiedlichsten Orten zu präsentieren. Da es wahrscheinlich mit Bus und Bahn nichts wird, wird es wohl an der Zeit eine Fahrschule aufzusuchen.

Bachelor Kommunikationsdesign

Prof. Linn Schröder

Irina Ruppert

Yana Kyrychenko

mail@yanakyrychenko.de yanakyrychenko.de @yanakyry