Sarah Broecker

Y/N SELECT

Die Bachelorarbeit von Sarah Broecker befasst sich mit dem Phänomen Selfie-Proteste, in denen sie eine digitale Interpretation öffentlicher Demonstrationen sieht. Menschen inszenieren sich fotografisch mit einer schriftlichen Botschaft und verbreiten ihren Content über die sozialen Medien. Sie schaffen ein Hashtag-Netzwerk mit anderen und bilden so eine digital vernetze Gruppe. Diese Art des Onlineprotests steht auch in der Kritik, vielmehr politische Selbstdarstellung zu sein als dem sichtbar machen von Missständen zu dienen. Der Zwiespalt zwischen globalen und barrierefreien Protestmöglichkeiten und diesem Vorwurf des Eigennutzes, ist Ausgangspunkt der Kollektion Y/N SELECT von Sarah Broecker. In ihrer Taschenkollektion reflektiert sie diese Protest-Form. An Protestparolen und Fehler-/Bestätigungsmeldungen des Computers angelehnte Schriftzüge fordern dazu auf, das eigene Handeln und Protestieren in der digitalen Öffentlichkeit zu hinterfragen. Elemente der Übertreibung werden mit Symbolen von Internetplattformen kombiniert. Die Taschen vereinen Eindrücke aus realen Protestmärschen und die Ästhetik sozialer Medien. Sie sind vielmehr Kommunikationsfläche als Gebrauchsgegenstand.


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Die Idee entstand im Sommer 2020, als mir während der Nutzung sozialer Medien das vermehrte Aufkommen von Protestbotschaften auffiel. Ich habe mich gefragt, wie ich mich diesbezüglich positionieren möchte, bzw. ob ich an Onlineprotesten teilnehmen möchte und wieso. Gleichzeitig wollte ich als praktischen Teil meiner Bachelorarbeit eine Taschenkollektion umsetzen und habe diese beiden Aspekte miteinander kombiniert.

Was wäre beinahe schief gegangen?

Die Prints auf den Taschen. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Airbrush-Technik verwendet, mit Lederfarbe, die eigentlich viel zu dickflüssig für die Airbrushpistolen ist. Ich habe zwei Tage mit meinem Vater im Hobbykeller verbracht, um in unzähligen Schichten einen gleichmäßigen Farbauftrag zu erzielen. Zudem musste ich diverse Teile mehrmals neu zuschneiden, da sie beim ersten Versuch nichts geworden sind, während ich bei schwindenden Ledervorräten meine Naivität verflucht habe.

Womit bist du sehr zufrieden?

Wirklich zufrieden bin ich damit, dass die Qualität der Verarbeitung meiner Taschen nicht darunter gelitten hat, dass ich sie aufgrund von Corona komplett in Heimarbeit herstellen musste. Damit habe ich zu Anfang absolut nicht gerechnet.

Weißt Du schon, wie es nach dem Studium weitergeht?

Ich habe mich entschieden, im Master weiter zu studieren, um meine Fähigkeiten im Bereich Accessoires noch zu erweitern, da ich mich erst seit dem 5. Studiensemester auf Taschen fokussiert habe.

Bachelor Modedesign

Prof. Peter Seebacher

Annette Schützenmeister

Sarah Broecker

sarah.broecker@web.de @yn_select