Marike Hellmund

Quantified self

Die Abschlusskollektion von Marika Hellmund untersucht die Einflussnahme von Self-Tracking in Kombination mit Social Media auf das individuelle Selbstbild, das sie in einer endlosen Spirale der Selbstoptimierung und unterschiedlichen manipulativen, realitätsverzerrenden Parametern ausgesetzt sieht. Diese Form der Protokollierung von körpereigener und leistungsbezogener Daten wirken sich auf das Individuum aus: Der menschliche Körper wird in einen bloßen Datenkörper transformiert. Als stilistisches Hauptmotiv ihrer Kollektion nutzt Marika Gerüste, die sich aus Vektorlinien im Zuge eines experimentellen, digitalen Verziehens von Kleidungsarchetypen in Photoshop entwickelt haben. Stilistische Bezüge aus der Bürokratie in Form von Prints und speziellen Verarbeitungstechniken (Lochung der Schnittteile; Verwendung von Aktenordnermechaniken etc.) karikieren das «unternehmerische Selbst», das sich in einer ständigen Bewerbungsphase innerhalb der neoliberalen Gesellschaft wiederfindet. Die unwiderrufliche Freigabe und Speicherung individueller Daten über soziale Medien macht das Selbst zum Komplizen eines modernen Überwachungsstaats. Dieses Phänomen unterstreicht sie mit den dekonstruierten, militärischen Archetypen.


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Mein Interesse für digitale Ethik wurde durch die Pandemie und der damit verbundenen Verlagerung von Austausch- und Selbsterfahrungsmöglichkeiten in die virtuelle Welt, verstärkt. Die erste Zeit habe ich ausschließlich digitale Form, Farb- und Textilexperimente gemacht, die die Entwürfe bis zum Schluss geprägt haben.

Was wäre beinahe schief gegangen?

Einen Kollaborationspartner:in zu finden, der Muße, Zeit und Durchhaltevermögen hatte, meine digital entstandenen Vektorgerüste gemeinsam mit mir haptisch in Lebensgröße per Schweißkunst herzustellen. Diese dann noch tragbar zu machen, war ein Trial & Error Ride!

Wer oder was hat dich inspiriert?

Die Brücke zwischen Mode und anderen Fachbereichen, seien es Gesellschafts- oder Naturwissenschaften wie Soziologie, Philosophie oder Biologie, zu schlagen, finde ich immer am interessantesten. Ich tauche erst über Literatur, Ausstellungen und Dokumentationen ganz tief in ein bestimmtes Thema ein und lasse mich von diesem neuen Input für Entwürfe inspirieren. Am liebsten setze ich dann kollaborativ in interdisziplinären Teams Ideen um.

Bachelor Modedesign

Prof. Kai Dünhölter

Prof. Henning Kles


Marike Hellmund

hellrika@gmx.de @marikahellmund