Anton Jehle

Hegeschau

Die Gehwege wurden in den letzten Jahren von sogenannten «dockless sharing vehicles» überflutet. Anton Jehle erkennt im Rahmen dieses Phänomens zwei gegensätzliche Gruppierungen: diejenigen, deren Leben jeden Tag von einer neuen App bereichert wird, die bereitwillig ihre Nutzerdaten teilen - die «Early Adopter» der Start-up-Szene. Auf der anderen Seite stehen die Skeptiker, die sich bedroht fühlen von der digitalen Entwicklung und nicht bereit sind, als Versuchskaninchen herzuhalten. Inmitten dieser Gegensätze sieht Anton die E-Tretroller. Als Fußvolk der Mikromobilitätsindustrie sind sie ein geeignetes Objekt für seine Beobachtungen. Antons Bachelorarbeit nähert sich dem Thema mit künstlerischen Mitteln. Er arbeitet dabei vor allem mit der Methode des spekulativen Designs und fragt: Was passiert, wenn wir die E-Tretroller wie eine neuartige Lebensform beobachten? Lässt sich unsere Sicht auf die Dinge so weit verdrehen, dass wir zu neuen Erkenntnissen kommen? Wenn ja, welche Bedeutung haben sie für unsere Realität heute? Seine Hegeschau zeigt Trophäen der Mikromobilität, die er über ein Jahr lang gesammelt hat. Was sagen sie über den Zustand der Bevölkerung aus?


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Während der Arbeit an einer Ausstellung gemeinsam mit dem Künstler Denis de Bel, die sich ebenfalls mit dem Thema Mikromobilität beschäftige, bemerkte ich, wie sich durch die tägliche Interaktion mit den Rollern meine Perspektive langsam zu verschieben schien. Dieses Phänomen wollte ich weiter untersuchen.

Was wäre beinahe schief gegangen?

Ich habe mich lange mit dem Trophäenkult und der Bedeutung der Trophäe heute im Vergleich zu früher beschäftigt. Wie rechtfertigt man eine Trophäensammlung heute? Ich habe lange mit dieser Symbolik gehadert. Es war eine der schwierigsten Aufgaben, hier die richtige Mischung aus historischer und moderner Trophäe zu finden.

Wer oder was hat dich inspiriert?

Der Dokumentarfilm „Safari“ von Ulrich Seidl hat mich dazu inspiriert in die Rolle des Großwildjägers zu schlüpfen. Dem Film gelingt es außerordentlich gut, die Absurdität des Jagdtourismus zu dokumentieren, ohne die Protagonisten dabei ins Lächerliche zu ziehen. Gerade die Ernsthaftigkeit, mit der sich Ulrich Seidl dem Thema widmet, lässt die Bilder am Ende so stark und aussagekräftig wirken.

Womit bist du sehr zufrieden?

So schwierig der Prozess auch gewesen sein mag, hat es sich sicherlich am Ende ausgezahlt mit dem ursprünglichen Gedanken des Tiervergleichs „all in“ zu gehen. Die Anthropomorphisierung der Tretroller als Methode zu nutzen, um einem Perspektivwechsel auf diese neue Industrie bei den Betrachtern auszulösen, hat meiner Meinung nach sehr gut funktioniert.

Weißt Du schon, wie es nach dem Studium weitergeht?

Kommendes Wintersemester werde ich mein Studium im Bereich Mediale Künste an der Kunsthochschule der Medien (KHM) Köln fortsetzen.

Bachelor Kommunikationsdesign

Prof. Almut Schneider

Prof. Aram Bartholl

Anton Jehle

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