Anna Zirwes

Das Unheimliche, Liminalität und eine Prosopopöie vergessener Orte

Die Abschlussarbeit von Anna Zirwes beschäftigt sich mit dem Phänomen des Unheimlichen. Ihr Fokus liegt auf Räumlichkeiten anstelle von Objekten. Durch die Abwesenheit von Menschen haben «Lost Places» eine inhärent unheimliche Wirkung. Sie erinnern an fiktive Geisterhäuser ubiquitär in Horrornarrativen. Selbst klassische Architektur begann früh, das Haus mit dem menschlichen Körper gleichzusetzen. In Erzählungen, in denen Häuser selbst ein Bewusstsein haben, lässt es sich leicht vorstellen, dass es den Menschen, die es verlassen, nicht wohl gesonnen ist. Eine Person, die sich Eintritt verschafft, muss mit einem Geist rechnen. Annes Arbeit versucht, einen solchen Geist in einer humanoiden Figur einzubetten. Die Atmosphäre, Emotionen und visuellen Marker, welche mit den beschriebenen Konzepten assoziiert werden, spiegeln sich im Designprojekt wider. Anna entwarf und konstruierte drei Kostüme. Jedes basiert auf einem Gebäudetyp, der sich oft unter den «Lost Places» findet. Sie kombiniert sie mit Motiven des Unheimlichen, um den Effekt der Verunsicherung bezüglich der menschlich/nicht-menschlich Kategorie zu eruieren. Die Ästhetik der Kostüme stellt eine Mischung aus menschlichem und architektonischem Verfall und zeigt, dass der Körper untrennbar von der baulichen Struktur ist.


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Meine Faszination für verlassenen Gebäude führte mich zu meinem Hobby „Urban Exploration“. Die visuellen Eindrücke waren so markant, dass sie mich maßgeblich inspirierten. Da Horror mein Wahlgenre ist, war es nicht schwer hier die Brücke zu schlagen und die beiden Leidenschaften zu kombinieren.

Was wäre beinahe schief gegangen?

Am Abend, vor dem letzten Fotoshooting in Berlin, erfuhr ich, dass das Schwimmbad, unsere Foto-Location, abgerissen wurde. Glücklicherweise ist Berlin so katastrophal bei der Instandhaltung von Infrastruktur, dass es noch drei andere verlassene Schwimmbäder in der Nähe gab und ich kurzerhand umplanen konnte.

Wer oder was hat dich inspiriert?

Abgesehen von meinen eigenen Expeditionen – besonders in die Schilleroper und das BLUB Berlin – ist ein signifikanter Teil meiner schriftlichen Bachelorarbeit eine Auseinandersetzung mit den Texten aus Kitty Horrorshows „Anatomy“ und Jacob Gellers behandelndem Videoessay «Control, Anatomy and the Legacy of the Haunted House». Weitere Inspiration waren die Werke von Jonathan Sims, Jon Ware & Muna Hussen, Becca de la Rosa & Mabel Martin, Jeff Vandermeer, Nick Antosca, Keiichiro Toyama, Masahiro Mori und Anna-Sophie Jürgens.

Womit bist du sehr zufrieden?

Der Clown ist mein heimlicher Favorit der Arbeit. Das Schnittmuster hat genau die Wirkung erzielt, die ich in Gedanken hatte. Dass Spiel mit Proportionen und Farben verstärkt den Effekt und repräsentiert meine Lieblingsaspekte von «Lost Places» und Clown als unheimlicher Figur. Deswegen habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, es selbst zu modeln.

Weißt Du schon, wie es nach dem Studium weitergeht?

Erst einmal hoffentlich mit einem Masterstudium. Danach idealerweise weiterhin im Bereich Kostümdesign. Gerne im Horrorgenre, wenn ich mir was wünschen darf.

Bachelor Kostümdesign

Prof. Reinhard von der Thannen

Prof. Dr. Alice Lagaay

Anna Zirwes

pandorica@web.de behance.net/annazyan @anna.pandorica