Anja Schaar

Blurry Nights

Der Wecker klingelt. Die Augen öffnen sich mühsam. Der erste Blick geht auf das Smartphone: Erinnerungsfetzen, die durch das Bewusstsein stolpern. Erst bei Freunden und anschließend noch in einer Lieblingsbar. Eine rauschende Nacht, die erst nach dem Morgengrauen endet, mit Menschen, die sich ebenfalls von der Nacht verführen und von der Absolventin Anja Schaar in eine Traumwelt entführen lassen. «Ich bin Provokateur und Dompteur in der Manege. Das Smartphone stets bei mir». Ihre Arbeit ist eine Sammlung fotografischer Bilder. Sie zeigt Freunde und Fremde. Die Objektivität der Kamera und der eigene Blick dienen als gestalterische Grundlage, um Menschen in diesen «verschwommenen» Nächten zu fotografieren. Dabei dient die Inszenierung dazu, dem Betrachter einen neuen Blick auf die Person zu geben. Über einen längeren Zeitraum entwickelte Anja Bilder in schwarz-weiß, reduzierte Grauwerte, zog Kontraste an, erhöhte den Weißanteil in weißen Flächen, um eine noch größere Intensität in den Bildern zu erzeugen. Eine große Herausforderung war die Kurzfristigkeit, mit der sie über Darstellung, Location, Licht und Inszenierung entscheiden musste. Die Porträtreihe lässt das Gefühl von Zeit und Raum verschwimmen. Dieser traumähnliche Zustand und die innere Ruhe der Porträtierten sind für die junge Fotografin ein natürlicher Augenblick und ein tiefer Moment der Ehrlichkeit.


Woher stammt die Idee für deine Abschlussarbeit?

Jeder Mensch macht heutzutage Fotos, ob mit dem Smartphone oder mit einer digitalen Kamera. Für mich ist die Fotografie nicht ausschließlich ein Instrument zum Abbilden von Dingen, sondern ein Medium zur Kommunikation. Daher war für mich das Smartphone eine praktische Alternative zur „großen“ Digitalkamera. Nicht nur die Kamera, sondern das Licht in Form eines zweiten Smartphones hatte ich immer dabei. Im Vergleich zur Digitalkamera, fühlten sich die Porträtierten durch das kleine Smartphone nicht eingeschüchtert. Ein weiterer Vorteil war, dass ich mein Fotolabor ebenfalls immer dabei hatte.

Wer oder was hat dich inspiriert?

Inspiriert durch die Fotografien von Anton Corbijn, der mit seinen intimen Schwarz-Weiß Fotografien von berühmten Persönlichkeiten und Menschen im Alltag, Bekanntheit erlangte. Mit diesen Bildern begann mein Interesse an der Porträtfotografie. Der Grundstein des Projektes war gelegt. Ich hatte das Konzept, die Bilder, die jeden Abend in meinem Kopf entstanden sind, umzusetzen.

Womit bist du sehr zufrieden?

Das Smartphone war für meine Arbeit die einzig mögliche Kamera. Ohne das Smartphone hätte ich niemals diese Intimität und das Vertrauen aufbauen können. Bei aller Kritik an der heutigen Flut der Bilder ist es für mich am Ende unerheblich, mit welchem Werkzeug ich die Fotos erstelle. Es zählt das erschaffene Bild. Ähnlich wie in der Malerei, wo es von der Skizze bis zum Ölbild hunderte an Möglichkeiten der Ausdrucksform gibt, ist auch in der Fotografie die Form nicht das Ausschlaggebende. Das Bild zählt

Bachelor Kommunikationsdesign

Prof. Linn Schröder

Prof. Gesa Lange

Anja Schaar

anjaschaar@icloud.com